Pressearchiv
Hier finden Sie Informationen und Presseberichte unserer veranstalteten Konzerte & Events.
Kontraste im Blick. Bartók im Fokus
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
Kontraste im Blick. Bartók im Fokus
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
Kontraste im Blick. Bartók im Fokus
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
Kontraste im Blick. Bartók im Fokus
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
Kontraste im Blick. Bartók im Fokus
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
Kontraste im Blick. Bartók im Fokus
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
6. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
August-Everding-Musikwettbewerb 2025
Kritik
Die Krone für Uchio – Violin-Finale des Everding-Wettbewerbs
Münchener Merkur | 18.11.2019 <link file:4552 - download "Opens internal link in current window">download</link>Wettbewerbe sind wichtig für junge Künstlerinnen und Künstler. Vor allem, wenn einflussreiche Partner dahinterstehen, denen es nicht nur um glamouröse Preisverleihungen, sondern auch um nachhaltige Förderung geht…
5. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
4. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
3. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
2. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
6. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
5. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
4. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
3. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
Bach Weihnachtsoratorium Kantaten I-III & VI BWV 248
Kritik
2. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
1. Odeon Konzert
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
August-Everding-Musikwettbewerb 2023
Kritik
Die Krone für Uchio – Violin-Finale des Everding-Wettbewerbs
Münchener Merkur | 18.11.2019 <link file:4552 - download "Opens internal link in current window">download</link>Wettbewerbe sind wichtig für junge Künstlerinnen und Künstler. Vor allem, wenn einflussreiche Partner dahinterstehen, denen es nicht nur um glamouröse Preisverleihungen, sondern auch um nachhaltige Förderung geht…
Varieté
Kritik
Vorschau von Crescendo:
Verfemt – verfolgt – vertrieben
Mit Werken von Paul Ben-Haim, Edison Denisov, Arsen Babajanyan u.a. findet unter dem Motto »Varieté« am 21. Mai 2023 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz das Saison-Abschlusskonzert der Odeon-Reihe statt.
„Ich bin nicht Russe, obwohl Russisch meine Muttersprache ist… Aber die eigentliche Muttersprache war wiederum das halbvergessene und halb falsche Deutsch der Wolgadeutschen. Dann hatte ich noch das Problem, dass ich zur Hälfte Jude bin, obwohl ich Jiddisch überhaupt nicht beherrsche. Also gehöre ich zu niemandem: weder zu den Russen, noch zu den Deutschen aller Art, noch zu den Juden. Ich habe kein Land, ich habe keinen Platz… Wenn ich jetzt irgendwohin emigrierte, blieben mir doch alle Probleme“, suchte der Komponist Alfred Schnittke seine Identität zu beschreiben. Seine Suite im alten Stil, eine Folge stilisierter Barocktänze, aus dem Jahr 1972 eröffnet das Odeon-Abschlusskonzert der Saison 2022/2023.
In der Reihe der Odeon Konzerte musizieren Studierende der Meisterklassen mit ihren Professoren und prominenten Gästen. Zu den Ausführenden gehören die Saxofonisten Márton Bubreg, Rocco Ceraolo, Nikolai Kushnir, João Marinho, Andrej Omejc, Anna-Marie Schäfer, José Sousa, Alina Weiss, Zihao Wang und Laura Pollinger aus der Meisterklasse des Saxofonisten Koryun Asatryan, der Pianist Ingo Quast, der Cembalist Tung-Han Hu, der Klarinettist Luka Gantar, der Schlagzeuger Davide Lovato und der Kontrabassist Anton Kammermeier. Die Leitung der Matinée haben Johannes Obermeier und Armando Merino inne. Veranstaltet wird die Reihe seit 2006 von EUROPAMUSICALE, dem Münchener Konzertverein und der Hochschule für Musik und Theater München. Auf dem Programm stehen selten gespielte Werke der Kammermusik in ungewöhnlichen Besetzungen sowie verfemte Musik verfolgter, vertriebener und ermordeter Komponisten der NS-Zeit.
Die fünf Matineen der Reihe waren dem Komponisten Paul Ben-Haim gewidmet. Er wurde 1897 als Paul Frankenberger in München geboren, studierte an der Akademie für Tonkunst und war Assistent von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. 1924 wurde er Chorleiter und Kapellmeister in Augsburg, bis man ihn 1931 vom Dienst suspendierte. Er kehrte nach München zurück und wirkte als Liebegleiter und Komponist. 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er den Namen Paul Ben-Haim annahm. In Tel Aviv lernte er die Sängerin Bracha Zefira kennen und durch sie die jüdische und arabische Musik, die fortan die Melodik und Rhythmik seiner Kompositionen beeinflusste. Er schrieb Sinfonien, Sonaten und Konzerte sowie liturgische Werke und Lieder und wurde nach 1945 einer der bekanntesten Komponisten Israels, wo er 948 starb. In der Abschlussmatinee erklingt von ihm die Pastorale Variée op. 31b aus dem Jahr 1945. Mit ihr erfüllt er sich seinen Wunsch, einen neuen, seine Umgebung widerspiegelnden Stil zu schaffen. In den farbenfrohen Variationen verbindet er westeuropäische und orientalische Traditionen.
Das Programm steht unter dem Motto „Varieté“, und ebenfalls zu hören gibt es Jazzkompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Leonard Bernstein sowie Poiema V für acht Saxofone, Klavier und Schlagzeug von Arsen Babajanyan. Er stammt aus Jerewan und lebt seit seinem Studium an der Musik-Hochschule in München. Aus dem sibirischen Tomsk stammte der Komponist Edison Denisov. In seiner Sonate aus dem Jahr 1960 lotet er die Flöte in ihrer vollen Höhe und Tiefe aus, wie er auch extreme dynamische Gegensätze verarbeitet.
Zur Aufführung kommen aber auch Arrangements der Gesänge Maria, mater gratiae und O vos omnes von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa ist als Komponist ebenso berühmt wie als Mörder seiner Ehefrau und ihres Geliebten in flagrante delicto. Seine geistlichen Kompositionen allerdings blieben lange unbekannt. Bis zum 20. Jahrhundert gab es als einzigen Hinweis darauf nur einen Brief an den Herzog Alfonso, worin der Komponist Alfonso Fontanelli berichtet, der Fürst habe eifrig geschrieben und außer mehreren Madrigalen eine Motette und eine Arie komponiert. Das fünfstimmige Maria, mater gratiae schrieb Gesualdo vermutlich für den Gebrauch zum Fest der sieben Schmerzen Mariae, das unmittelbar auf das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September folgte. Und auch das alte Klagelied O vos omnes, das im 16. Jahrhundert häufige Vertonungen erfuhr, wurde von Gesualdo wirkungsvoll bearbeitet. Wolfgang Rihm gibt in der Gesualdo-Biografie von Glenn Watkins eine emotionale Beschreibung seiner Musik: „Gerade hat der Principe noch mit dem Dolch in Leichen gestochen, schon setzt er peinvolle, süßdunkle Kontrapunkte, die schönsten, die es gibt. Bestimmt war er grün im Gesicht, und gelblicht. – Er bleibt ohne Beispiel.“
von Ruth Renée Reif
17. Mai 2023
Bach Weihnachtsoratorium Kantaten I-III & VI
Kritik
Kritik: aus Süddeutsche Zeitung vom 19.12.2019
Belebt mit Wiener Blut
Bach Collegium präsentiert das WeihnachtsoratoriumMünchen – Die Wagner- und Richard Strauss-Stadt München wurde einst mit Karl Richter und dem Münchener Bach-Chor „evangelisch“ getauft. Danach waren Hansjörg Albrecht mit Bach-Chor und -Or-chester und Enoch zu Guttenberg mit der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Bach Collegium München, später seiner „Klangverwaltung“, dieprominenten Statt-halter Münchner Bach-Tradition. Jetzt will Konzertveranstalter Helmut Pauli von Ton-icale Musik & Event ein neues Kapitel im Metier eröffnen. In der Philharmonie am Gasteig musizierte das neu besetzte Münchner Bach Collegium mit seinem neuen Chor ein ganz neu klingendes Weih-nachtsoratorium. Sein Konzept: eine histo-risch informierte Besetzung und Spiel-weise und nicht mehr ein Laienchor, sondern ein Profichor. Seine Ressource: viel bewährter Import aus Wien.Nachfolger von Florian Sonnleitner als Konzertmeister des Collegiums ist Agnes Stradner, und auch der Dirigent kommt aus Wien: Rubén Dubrovsky. Der 1968 in Argentinien geborene Maestro ist dort längst mit seinem Bach Consort Wien bes-tens bekannt und leitet in Chicago auch das Third Coast Baroque Ensemble. Der Maestro Rubén Dubrovsky dirigiert elegant aber präzise Kern des Chores mit 33 Sängerinnen und Sängern ist der 1947 gegründete Wiener Kammerchor, ergänzt mit Studierenden bayerischer Musikhochschulen. Ihn musi-kalisch zusammenzuschweißen, war eine Leistung von Michael Grohotolsky. Damit bestimmte dann ein distinguiertes kam-mermusikalisches Format das Klangbild mit Transparenz und Delikatesse.
Der elegant aber präzise dirigierende Maestro aus Wien setzte schon im Ein-gangschor statt auf dröhnenden Sound auf Verinnerlichung. Am schönsten: „Ehre sei Gott“ aus der zweiten Kantate, wo der Chor mit luzider Artikulation seine professionel-le Statur zeigte, weitweg vom alten patheti-schen Luxusklang romantischen Erbes. Die feine Diktion des Orchesters mit den Streichern auf Darmsaiten, exquisiten Blä-sern und einer kleinen, einfachen Conti-nuo-Besetzung, durchgängig grundiert mit Orgelpositiv, blühte in den Arien zu ei-ner aparten Sinnlichkeit auf, wie sie sonst nur bei den Spezialensembles zu hören ist. Auchdie Solisten fügten sich perfekt in die-ses Konzept des eher introvertierten Glan-zes: Catalina Bertucci als kapriziöser Sopran, Kristin Mulder mit noblem Alt und Jochen Kupfer mit einem Bass von edlem baritonalem Flair. Der Tenor Johannes Chumfaszinierte durch eine lyrische Inten-sität von Countertenor-Qualität. Das homogene Solistenquartett bewährte sich besonders in den Duetten durch seine aus-tarierte, klangliche Balance.
Weitere Kontakte mit dem musikali-schen Wien stehen bevor, um die Münch-ner Bach-Tradition mit frischem stilistischem Blut zu beleben: ein künstlerischer Neustart mit viel Potenzial.Klaus P. Richter
August-Everding-Musikwettbewerb 2022
Kritik
Die Krone für Uchio – Violin-Finale des Everding-Wettbewerbs
Münchener Merkur | 18.11.2019 <link file:4552 download internal link in current>downloadWettbewerbe sind wichtig für junge Künstlerinnen und Künstler. Vor allem, wenn einflussreiche Partner dahinterstehen, denen es nicht nur um glamouröse Preisverleihungen, sondern auch um nachhaltige Förderung geht…
Kubanische Nacht - Ecos De Siboney
Kritik
Bach Johannespassion
Kritik
Kritik: aus Süddeutsche Zeitung vom 19.12.2019
Belebt mit Wiener Blut
Bach Collegium präsentiert das WeihnachtsoratoriumMünchen – Die Wagner- und Richard Strauss-Stadt München wurde einst mit Karl Richter und dem Münchener Bach-Chor „evangelisch“ getauft. Danach waren Hansjörg Albrecht mit Bach-Chor und -Or-chester und Enoch zu Guttenberg mit der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Bach Collegium München, später seiner „Klangverwaltung“, die prominenten Statthalter Münchner Bach-Tradition. Jetzt will Konzertveranstalter Helmut Pauli von Tonicale Musik & Event ein neues Kapitel im Metier eröffnen. In der Philharmonie am Gasteig musizierte das neu besetzte Münchner Bach Collegium mit seinem neuen Chor ein ganz neu klingendes Weihnachtsoratorium. Sein Konzept: eine historisch informierte Besetzung und Spiel-weise und nicht mehr ein Laienchor, sondern ein Profichor. Seine Ressource: viel bewährter Import aus Wien.Nachfolger von Florian Sonnleitner als Konzertmeister des Collegiums ist Agnes Stradner, und auch der Dirigent kommt aus Wien: Rubén Dubrovsky. Der 1968 in Argentinien geborene Maestro ist dort längst mit seinem Bach Consort Wien bes-tens bekannt und leitet in Chicago auch das Third Coast Baroque Ensemble. Der Maestro Rubén Dubrovsky dirigiert elegant aber präzise Kern des Chores mit 33 Sängerinnen und Sängern ist der 1947 gegründete Wiener Kammerchor, ergänzt mit Studierenden bayerischer Musikhochschulen. Ihn musi-kalisch zusammenzuschweißen, war eine Leistung von Michael Grohotolsky. Damit bestimmte dann ein distinguiertes kammermusikalisches Format das Klangbild mit Transparenz und Delikatesse.
Der elegant aber präzise dirigierende Maestro aus Wien setzte schon im Eingangschor statt auf dröhnenden Sound auf Verinnerlichung. Am schönsten: „Ehre sei Gott“ aus der zweiten Kantate, wo der Chor mit luzider Artikulation seine professionelle Statur zeigte, weitweg vom alten pathetischen Luxusklang romantischen Erbes. Die feine Diktion des Orchesters mit den Streichern auf Darmsaiten, exquisiten Bläsern und einer kleinen, einfachen Continuo-Besetzung, durchgängig grundiert mit Orgelpositiv, blühte in den Arien zu ei-ner aparten Sinnlichkeit auf, wie sie sonst nur bei den Spezialensembles zu hören ist. Auchdie Solisten fügten sich perfekt in dieses Konzept des eher introvertierten Glanzes: Catalina Bertucci als kapriziöser Sopran, Kristin Mulder mit noblem Alt und Jochen Kupfer mit einem Bass von edlem baritonalem Flair. Der Tenor Johannes Chum faszinierte durch eine lyrische Intensität von Countertenor-Qualität. Das homogene Solistenquartett bewährte sich besonders in den Duetten durch seine austarierte, klangliche Balance.
Weitere Kontakte mit dem musikali-schen Wien stehen bevor, um die Münchner Bach-Tradition mit frischem stilistischem Blut zu beleben: ein künstlerischer Neustart mit viel Potenzial.Klaus P. Richter
Finale des August-Everding-Musikwettbewerbs
Kritik
Die Krone für Uchio – Violin-Finale des Everding-Wettbewerbs
Münchener Merkur | 18.11.2019 <link file:4552 download internal link in current>downloadWettbewerbe sind wichtig für junge Künstlerinnen und Künstler. Vor allem, wenn einflussreiche Partner dahinterstehen, denen es nicht nur um glamouröse Preisverleihungen, sondern auch um nachhaltige Förderung geht…
BRUNNENHOF OPEN AIR 2020
Kritik
Pressemitteilungen, Vorankündigungen und Berichterstattungen finden Sie auf der <link https: www.konzert-verein.de spielplan brunnenhof-open-air-20 external-link-new-window internal link in current>Projektseite.
Das Brunnenhof Open Air 2020 ist eine vom Münchener Konzertverein e.V. initiierte Veranstaltungsreihe für freischaffende Musikgruppen mit 32 Konzerten vom 04.09.2020 bis 03.10.2020. Geladen sind Künstlerinnen und Künstler aus ganz Bayern, denen in Zeiten der Corona-Pandemie endlich wieder die Möglichkeit geboten wird, auf einer öffentlichen Bühne zu spielen.
Der Erlös aus den Eintrittskarten, abzüglich Fremdgebühren wie Vorverkauf wird zu 100% an die jeweiligen Musikgruppen ausgeschüttet. Jeder Musikfreund ist gebeten in dieser schwierigen Zeit von Corona zu helfen. Mit dem Kauf Ihres Tickets erwerben Sie nicht nur ein vielseitiges Konzertprogramm, Sie unterstützen gleichzeitig freiberufliche, bayerische Künstlerinnen und Künstler und leisten somit einen Beitrag zum Erhalt der musikalischen Vielfalt in Bayern. Das Projekt wird realisiert mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, privater Förderer und Sponsoren.
Bach Weihnachtsoratorium Kantaten I-VI 2019
Kritik
Kritik: aus Süddeutsche Zeitung vom 19.12.2019
Belebt mit Wiener Blut
Bach Collegium präsentiert das WeihnachtsoratoriumMünchen – Die Wagner- und Richard Strauss-Stadt München wurde einst mit Karl Richter und dem Münchener Bach-Chor „evangelisch“ getauft. Danach waren Hansjörg Albrecht mit Bach-Chor und -Or-chester und Enoch zu Guttenberg mit der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Bach Collegium München, später seiner „Klangverwaltung“, dieprominenten Statt-halter Münchner Bach-Tradition. Jetzt will Konzertveranstalter Helmut Pauli von Ton-icale Musik & Event ein neues Kapitel im Metier eröffnen. In der Philharmonie am Gasteig musizierte das neu besetzte Münchner Bach Collegium mit seinem neuen Chor ein ganz neu klingendes Weih-nachtsoratorium. Sein Konzept: eine histo-risch informierte Besetzung und Spiel-weise und nicht mehr ein Laienchor, sondern ein Profichor. Seine Ressource: viel bewährter Import aus Wien.Nachfolger von Florian Sonnleitner als Konzertmeister des Collegiums ist Agnes Stradner, und auch der Dirigent kommt aus Wien: Rubén Dubrovsky. Der 1968 in Argentinien geborene Maestro ist dort längst mit seinem Bach Consort Wien bes-tens bekannt und leitet in Chicago auch das Third Coast Baroque Ensemble. Der Maestro Rubén Dubrovsky dirigiert elegant aber präzise Kern des Chores mit 33 Sängerinnen und Sängern ist der 1947 gegründete Wiener Kammerchor, ergänzt mit Studierenden bayerischer Musikhochschulen. Ihn musi-kalisch zusammenzuschweißen, war eine Leistung von Michael Grohotolsky. Damit bestimmte dann ein distinguiertes kam-mermusikalisches Format das Klangbild mit Transparenz und Delikatesse.
Der elegant aber präzise dirigierende Maestro aus Wien setzte schon im Ein-gangschor statt auf dröhnenden Sound auf Verinnerlichung. Am schönsten: „Ehre sei Gott“ aus der zweiten Kantate, wo der Chor mit luzider Artikulation seine professionel-le Statur zeigte, weitweg vom alten patheti-schen Luxusklang romantischen Erbes. Die feine Diktion des Orchesters mit den Streichern auf Darmsaiten, exquisiten Blä-sern und einer kleinen, einfachen Conti-nuo-Besetzung, durchgängig grundiert mit Orgelpositiv, blühte in den Arien zu ei-ner aparten Sinnlichkeit auf, wie sie sonst nur bei den Spezialensembles zu hören ist. Auchdie Solisten fügten sich perfekt in die-ses Konzept des eher introvertierten Glan-zes: Catalina Bertucci als kapriziöser Sopran, Kristin Mulder mit noblem Alt und Jochen Kupfer mit einem Bass von edlem baritonalem Flair. Der Tenor Johannes Chumfaszinierte durch eine lyrische Inten-sität von Countertenor-Qualität. Das homogene Solistenquartett bewährte sich besonders in den Duetten durch seine aus-tarierte, klangliche Balance.
Weitere Kontakte mit dem musikali-schen Wien stehen bevor, um die Münch-ner Bach-Tradition mit frischem stilistischem Blut zu beleben: ein künstlerischer Neustart mit viel Potenzial.Klaus P. Richter
August-Everding-Musikwettbewerb 2019
Kritik
Die Krone für Uchio – Violin-Finale des Everding-Wettbewerbs
Münchener Merkur | 18.11.2019 <link file:4552 _blank download internal link in current>downloadWettbewerbe sind wichtig für junge Künstlerinnen und Künstler. Vor allem, wenn einflussreiche Partner dahinterstehen, denen es nicht nur um glamouröse Preisverleihungen, sondern auch um nachhaltige Förderung geht…
Ernst und Leidenschaft
Kritik
SCHÖN UNVERTRAUT
Julia Fischer und Studenten der Musikhochschule
Süddeutsche Zeitung | 21.01.2019 <link https: www.sueddeutsche.de kultur kurzkritik-schoen-unvertraut-1.4297097 _blank external-link-new-window>> Zur KritikWie an- und aufregend, einem Konzert zu lauschen mit hochinteressant Unbekanntem! So geschehen in der Benefizmatinee im Max-Joseph-Saal, deren Reinerlös dem Hilfsverein Nymphenburg für die Förderung der Musikschule Vlore in Albanien zugute kommt. Zehn glänzend aufspielende Studenten der Musikhochschule boten mit der eminent präsenten, bei aller bezwingenden Grandeur ganz in den kammermusikalischen Zusammenhängen der Werke aufgehenden Meistergeigerin Julia Fischer ein alpenländisch jubilierendes Violinquartett...
Starke Frauen - Festkonzert anlässlich „100 Jahre Frauenwahlrecht“ in Deutschland
Kritik
Präsentation des Projektes
Hier gehts zum <link https: issuu.com musikerlebnis docs starke_frauen_festkonzert _blank external-link-new-window externen link im aktuellen>Clipping
BR ABENDSCHAU - DER SÜDEN | 09.11.2018
Hier gehts zum <link https: youtu.be t6znylzjvuq _blank externen link im aktuellen>Videobeitrag
MÄNNER UND FRAUEN BRAUCHEN SICH
Abendzeitung, Vorankündigung | 09.11.2018 <link file:4199 _blank internal link in current>downloadAuch 100 Jahre nach der gesetzlichen Gleichstellung von Mann und Frau gibt es noch viel zu tun – gerade in der Musik. Nach wie vor werden nahezu ausschließlich Kompositionen von Männern aufgeführt. Dirigentinnen sind noch immer die Ausnahme. Das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ feiert am Sonntag ein Konzert im Gasteig – mit einem ausschließlich weiblich besetzten Projektorchester…
EIN GANZ KLASSISCHER MÄDELSABEND
Abendzeitung | 13.11.2018 <link https: www.abendzeitung-muenchen.de inhalt.gasteig-starke-frauen-mit-kristiina-poska.d6a585c1-d5bf-4851-b690-16e66e210656.html _blank internal link in current>downloadWenn Musik erklingt, stellt sie nur sich selbst dar. Geschlecht, Herkunft, Alter, Body Mass Index und all die anderen Kriterien, nach denen Menschen unterschieden werden können, sind unhörbar. Es muss also explizit dazugesagt werden, wenn das Europamusicale Frauenorchester unter Kristiina Poska einen Abend mit Werken von Komponistinnen und der Solistin Lauma Skride gestaltet.
Dieses Festkonzert feiert unter dem Titel „Starke Frauen“ das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“. Der Münchener Konzertverein hat in die Gasteig-Philharmonie geladen und als Schirmherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel gewonnen. Bayerns Familienministerin Kerstin Schreyer und die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium Christine Morgenstern sprechen einführende „schon viel erreicht – noch viel zu tun“-Sätze.
Frauen sichtbar machen
Kristiina Poska lässt die Musik sprechen. Sofia Gubaidulinas „Fairytale Poem“ von 1971 ist eine feenflügelzarte kleine Tondichtung. Poska legt in ihrem präzisen Dirigat die feinen Strukturen frei. Voller Emotion folgt Clara Schumanns Klavierkonzert. Pianistin Lauma Skride führt im Mittelsatz in einen nachdenklichen, berührenden Dialog mit dem Cello.
Das Orchester findet im dritten Stück des Abends zu seiner besten Form. Die Musikerinnen haben sich nur für dieses Konzert zusammengetan, sie spielen sonst in anderen Orchestern. Poska dirigiert prägnant und engagiert, hilft über Klippen und baut in Emilie Mayers moll-gewichtiger 5. Symphonie Spannung auf, die in einen dramatischen Schlusssatz mündet. Anders als Clara Schumann (1819-1896), die etwa auf dem 100-Mark-Schein verewigt wurde, ist Mayer (1812-1882) in Vergessenheit geraten und wird gerade wiederentdeckt.
Während die Ehrengäste aufspringen und damit stehende Ovationen provozieren, bleibt die Frage: Ein Frauenkonzert - muss das sein? Allein die Existenz der Frage gibt schon die Antwort: Ja. Weil es darum geht, Frauen sichtbar zu machen. Sie musizieren, dirigieren und komponieren nicht anders als Männer oder gemeinsam mit Männern. Aber solange ein Konzertabend, in dessen Programmheft nur Männernamen auftauchen, Normalität ist und nicht mit „Starke Männer“ überschrieben wird, brauchen Leistungen von Frauen ein Forum. Für die „Zuhörer*innen“. Der Musik ist es gleich.
Gesellschaftskolumne: Menschen
TZ | 13.11.2018 <link file:4200 _blank internal link in current>download... Weniger romantisch war der Anlass des Festkonzerts Starke Frauen. Galt es doch, 100 Jahre Frauenwahlrecht zu feiern - mit Musikstücken, komponiert von Frauen und gespielt von Frauen, dem Europamusicale Frauenorchester. Der Münchener Konzertverein setzte Werke von Clara Schumann und Emilie Mayer auf das Programm - unter der Leitung der estnischen Dirigentin Kristiina Poska. „Wir hatten nur zwei Tage zum Zusammenfinden“ sagte die Dirigentin. „Aber die Liebe zur Musik hat es uns leicht gemacht.“ ...
Fotogalerie Hier geht es zur <link https: www.musikerlebnis.de galerie fotogalerie internal link in current>Fotogalerie
Baltic Sea Philharmonic
Kritik
Järvi und das Baltic Sea Philharmonic begeistert in München
Klassiinfo.de 18.09.2018<link file:4063 _blank download file> downloadNach der Pause kam der Knüller – in jeder Hinsicht: eine 40-minütige Suite aus der über einstündigen Schauspiel-Musik zu Shakespeares „The Tempest“ von Jean Sibelius, zusammengestellt vom musikalischen Leiter Kristjan Järvi selbst. Und das auswendig! Nein, nicht nur dirigiert, sondern von allen jungen Musiker|innen der Baltic Sea Philharmonic, die aus den zehn Anrainer-Staaten der Ostsee stammen, auch gespielt: im Stehen, von den rund um den Dirigenten platzierten sechs Cellisten mit der Harfe im Zentrum einmal abgesehen!
Nordic Pulse: Ein stürmisches Konzert mit der Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi in München
Bachtrack.com 20.09.2018<link file:4059 _blank download file> downloadDen Puls des Nordens. Nicht weniger versprach die Baltic Sea Philharmonic mit ihrem Programm, dass das multinationale Orchester im Gepäck seiner Europatournee hatte. Nicht nur ein, gleich zwei Jubiläen bildeten dabei das Herz des Programms, das das Orchester im Herkulessaal der Münchner Residenz zur Aufführung brachte.….Neue Wege ging die Baltic Sea Philharmonic nach der Pause auch in der Aufführungspraxis. Auswendig und im Stehen interpretierten die Musiker die Schauspielmusik zu Shakespeares Sturm, die ursprünglich 36-teilig von Jean Sibelius eingerichtet und für das Programm von Järvi zu einer halbstündigen Konzertsuite zusammengesetzt wurde. Die anspruchsvollen, teils dichten Klangbilder, die Sibelius bisweilen bis zum Äußersten treibt, waren für die Balten an diesem Abend die größte Herausforderung. Doch mit welcher Geschmeidigkeit die Musiker die clusterhaften Sturmbilder in rustikale Tänze überführten beeindruckte
Baltic Sea Philharmonic – Kristjan Järvi über das Konzert im Herkulesaal
AZ 18.09.2018 <link file:4058 download internal link in current>downloadDie Münchner Konzertsaison beginnt heute mit einem Gastspiel der Baltic Sea Philharmonic im Herkulessaal der Residenz. Das Orchester mit Musikerinnen und Musikern aus zehn Anrainerstaaten der Ostsee erzählt mit unkonventioneller neuerer Musik Geschichten aus dem Norden Europas. Dirigent ist der aus Estland stammende Dirigent Kristjan Järvi. Er lässt das vor zehn Jahren auf Usedom gegründete Orchester in einigen Stücken auswendig spielen. ...
Joyce DiDonato - Opernstar
Kritik
Weitere Videopublikationen finden Sie in unserer Rubrik <link https: www.konzert-verein.de multimedia videos _blank external-link-new-window internal link in current>Multimedia.
Neue Wege – Joyce DiDonato begeistert in der PhilharmonieMünchner Merkur, 19.06.2018<link file:3933 _blank download file> download
Die Philharmonie ist nur schummrig beleuchtet. Über die Bühne ziehen Nebelschwaden, ein junger Mann mit freiem Oberkörper liegt auf dem Boden, und hinten, im mystischen Licht leicht erhöht, sitzt Joyce DiDoato – regungslos, wie eine Wachspuppe. Der Zuschauer spürt sofort: Hier stimmt was nicht. Irgendwas ist anders, reißt aus dem gewohnten, bequemen Ritual des normalen Konzertbesuchs heraus.
Genaus das ist das Ziel. Viel ist Konvention geworden im Klassikaltag. Frack, Abendkleid, Applaus beim Auftritt. Alles lieb geworden – und gefährlich! …
Joyce DiDonato überlegt sich deshalb andere Präsentationsformen und nimmt das Publikum mit auf die Reise. … Ziel ist, das Thema „In War and Peace“ zu reflektieren und die Musik tiefer zu erleben.
… Und das gelingt. … All das an einem Abend in solcher Expressivität und Schönheit, das kann momentan nur sie. … Ein mutiger, kluger Weg, Neues auszuprobieren, der hoffentlich andere inspiriert und weiterverfolgt wird.Die Tiefe der Botschaft
„In War and Peace“: Joyce DiDonato zeigt in der Philharmonie ein Gesamtkunstwerk aus Barockmusik, Gesang, Tanz und Licht – und gibt eine Idee, wie sich die Präsentation von Klassik weiterentwickeln sollte.
Abendzeitung, 19.06.2018<link file:3934 _blank download internal link in current> download
… Und was konnte man Außergewöhnliches in der Philharmonie erleben?
… Die Aufführung hat den Rahmen eines klassischen Gesangabends da bereits kongenial verlassen zugunsten einer Konzept-Show, wie es sie im Pop seit Jahrzehnten gibt.
… Und es war packend zu erleben, wie Joyce DiDonato in das schluckende Volumen der Münchner Philharmonie ihren Gesang in die Mitte des Raumes stellen kann, akustisch ganz nah an die Zuhörer heran.
…. Nach zwei Stunden „Krieg und Frieden“ war klar: Joyce DiDonato hat gezeigt, wie man die klassische Aufführungspraxis im Konzertsaal in eine passende, multimediale Form für das 21. Jahrhundert überführen kann. Das sollte zukunftsweisend seine, wenn man jünger und attraktiver werden will.Joyce DiDonato begeistert mit Konzert gegen den Terror
Sie bringt Glanz in den Gasteig
tz, 19.06.2018<link file:3931 _blank download internal link in current> download
Ein Mezzosopran mit einer Mission: Joyce DiDonato (49), die US-Amerikanische Opernsängerin, begeisterte am Sonntagabend mit ihrem Tourneeprogramm In War and Peace – Harmonie durch Musik im Rahmen der Konzertreihe Musik im Originalklang in der Philharmonie im Gasteig. … Zum anschließenden empfang zuEhren der gefeierten Künstlerin am Sonntagabend luden die Initiatoren des Konzerts und die Vorstände des neu gegründeten Münchener Konzertvereins, Felix Reger und Prof. Dr. Robert Büchelhofer ein. …
Bach Matthäus-Passion
Kritik
Berührend - Bachs Matthäuspassion in der Philharmonie
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2018 <link file:3835 download file>download
Es gibt die unterschiedlichsten Orte und Arten, um über die Karfreitags-Liturgie zu meditieren. Eine Möglichkeit ist der säkularisierte Kirchgang in die Philharmonie zu Bachs Matthäuspassion, wo es zudem weiche Sitzpolster und Lachshäppchen gibt. Spätestens hier kann die geistliche Konkurrenz nicht mehr mithalten, zumal auch das Ensemble zur Vergegenwärtigung der Leidensgeschichte hochkarätiger besetzt ist.
...
Maurice Steger - Paganini der Blockflöte
Kritik
Perfekte Partner - Der Flötist Maurice Steger und das Concerto de' Cavalieri
Süddeutsche Zeitung, 22.02.2018 <link file:3759 download file>download
Im Herkulessaal dem Ensemble Concerto de' Cavalieri zuzuhören, ist ein Genuss. Obwohl nur aus elf Musikerinnen und Musikern bestehend, spielt dieses Ensemble mit Dirigent, und unter der Leitung von Marcello Di Lisa entstehen Interpretationen von hoher Präzision. Die Spielweise und die Instrumente sind historisch inspiriert, der Klang in den ruhigen Sätzen ist deshalb nicht vibratoreich warm, sondern kühl und elegant-schlicht. ...
Für den Flötisten Maurice Steger ist das kleine Orchester der perfekte Partner. Stegers Interpretationen sind sprühend, maximal verzierungsreich. Fürs Auge wirkt seine Vortragsweise sehr gymnastisch (unablässig pendelnd im Oberkörper, unermüdlich tänzelnd in der Beinarbeit). Fürs Ohr ist sie wunderbar und alles andere als bloße Artistik: Der Klang der Alt-Blockflöte, die meistens zum Einsatz kommt, mischt sich homogener mit den Streichern, als dies bei einer modernen Querflöte je der Fall wäre. Und trotzdem ist Stegers Virtuosität in jedem Augenblick sehr präsent, ganz besonders, was sein hinreißend pointiertes Staccato-Spiel betrifft. Das ist sehr schön - und die Sopranflöten (eine fürs Schnelle, eine für den langsamen Mittelsatz), zu denen Steger bei Vivaldis abschließendem Concerto für Flöte und Streicher in C-Dur RV 443 greift, klingen mit ihrer hellen Leuchtkraft noch eine Spur schöner.
Barockmusik auf der Flöte
Abendzeitung, 20.02.2018 <link file:3760 download internal link in current>download